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Dieter Frank vom 11.11.2011

Folgende Nachricht erreichte mich am 11.11.2011 von Herr Dieter Frank

Hallo Herr Börner

Ich habe mit großer Anteilnahme und Interesse einen Teil der Geschichte von Philip gelesen. Ich bin aktuell Lebensberater bin aber von der beruflichen Seite 30 Jahre als Ingenieur in der Produktion tätig gewesen.

Ähnlich, wie bei Ihnen, hat sich mein Leben schlagartig verändert, das war so vor 10 Jahren. Seither habe ich einen spirituellen Werdegang, welcher sehr eng mit Gott verbunden ist. In den letzten Monaten gab es eine Veränderung, hin zu mehr heilerischen Dingen und hier vor allem zu traumatischen Erkrankungen.

Durch einen Fernsehbericht bin ich auf Menschen mit Wachkoma aufmerksam geworden und befasse mich seither damit. Allerdings nicht aus medizinischer Sicht, sondern mehr aus der Sicht der ganzheitlichen Heilmethoden.

Wir bestehen ja nicht nur aus Fleisch und Blut, sondern haben ein ausgeprägtes Energiesystem, ohne dessen kein Mensch leben könnte. Wir haben eine Aura und haben Schwingungen.

Wenn wir uns aus der Sicht der ganzheitlichen Betrachtung noch einmal den 11. Sept. in Erinnerung rufen, hat Philip beim Eintauchen ins Wasser einen Schock erlitten, d.h. das Gehirn wurde abgeschaltet, bis auf die Funktion der Organe. Der Gesichtsausdruck des Kindes zeigt genau dies an. Das ist eine absolute Blockade, dazu kam Angst und die hat ihn in diesem Zustand festgehalten.

Weitere Traumas entstanden durch die Elektroschocks die folgten und medikamentöse Behandlungen, aber auch durch, sagen wir, der teilweisen unglücklichen Besetzung des Pflegepersonals.

Der Geistliche, den Sie im Hilfe gebeten haben, hat gezeigt, welche Kraft in der göttlichen Heilenergie vorhanden ist. Ich habe mich beim Lesen dieser Zeile gewundert, weshalb Sie diese Fähigkeiten sich nicht selbst angeeignet haben.

Ich bin der Ansicht, dass für Philip eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität möglich ist, wenn er aus diesen Traumata heraus geführt wird. Wer könnte das besser als Sie selbst?

1. Philip kann die Augen bewegen und auch Fokussieren - er kann also visuelle Signale empfangen. Das letzte was Philip mit klaren Verstand zur Kenntnis genommen hat, ist die Wasseroberfläche des Teiches und sein Spiegelbild das er dort entdeckt hat. Deshalb ist Wasser (in seinem Verständnis) für ihn eine Gefahrenquelle uns versetzt ihn in Panik.

Um ihm diese Angst zu nehmen, sollte er etwas sehen (aus der Zeit des Unfalls), was ihm Vertrauen einflösst. Das kann ein Schnuller sein, ein Teddy zu dem er einen starken Bezug hatte o.ä. Bitte zeigen Sie es ihm - jeden Tag.

2. Da er sehen kann sind Bilder sehr wichtig. Seine Schwester war eine starke Bezugsperson für ihn. Was sie gemacht hat war gut. Vielleicht gibt es noch alte Bilder die sie gemalt hat, auch die sollte er sehen. Ebenfalls Fotografien aus jener Zeit. Vielleicht können sie die Fotos vergrößern und als Mobile einige davon bei Philip in Sichtweite aufhängen? Wichtig ist die Verbindung vor dem Unfall, damit er weiß die Welt ist gut und er kann in den guten Teil der Welt zurück kehren und muss nicht in dem schmerzvollen Teil verharren.

3. Als nächsten sollten Sie versuchen in den Philip hinein zu schauen (oder ihre Ehefrau). Wie fühlt er sich an? Ist sein Körper entspannt? Gibt es Stellen am Körper, wo er eine Wahrnehmung hat?

Wie fühlt sich sein Herz an? Arbeitet es ruhig und gleichmäßig? Macht es eher einen unruhigen Eindruck? Sind Muskeln angespannt und wenn ja, welche? Wechseln die Anspannungen der Muskeln? Wie arbeitet die Lunge? Gleichmäßig? ruhig? Stoßartig? eingedrückt?

Ziel sollte es sein, in jeden Augenblick, den Zustand von Philip zu erkennen. Denn es gibt Momente wo er durchaus auch über die anderen Sinne aufnahmefähig ist. Sie können sich das vorstellen wie eine elektrische Leitung, die eine Bruchstelle hat, aber einige Adern sich noch ab und zu berühren.

4. Wie ich sehe, kann er einen Finger ein bisschen bewegen. Bitte streicheln Sie dazu die Handwurzel der linken Hand. Sehr schwach zwar, aber es geht. Damit und über die Augen könnte eine bescheidene Kommunikation aufgebaut werden - ein wichtiges Erfolgserlebnis - gleichzusetzen mit dem Klopfzeichen bei Eingeschlossenen: ich nehme wahr!

5. Welche Träume haben Ihre Frau oder Sie in Bezug zu Philips Situation? Sie erhalten über die Träume immer wieder Hinweise, welche Ihnen aber nicht bewusst sind. Bitte versuchen Sie einmal diese Tipps umzusetzen. Sollten Sie Fragen dazu haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Wünschen Ihnen und Philip alles Liebe!

lg Dieter Frank

Antwort zu Herrn Dieter Frank am 20.11.2011

Lieber Herr Frank,

Ihre Mail hat mich etwas Zeit gekostet, denn für viele darin angeführten Dinge, musste ich mir erst ein paar Gedanken machen. Das ist auch gut so, denn so reflektiert man den "Ist" - Zustand und kann ihn dann vergleichen mit den "soll"-Zustand.

Viele Ideen, die Sie haben, sind durchweg gut, scheitern aber zu einem an dem "Ist" - Zustand vom Philip und zum Anderen an den begrenzten Kräften, die man als einzelner aufbringen muss, wenn man bereits seit über 15 Jahren in der Pflege steckt. Der Begriff "Burning out" ist eine echte und reale Gefahr in der Langzeitpflege und ich schätze das jeder, der das längere Zeit (mit)gemacht hat, genau weiß, wovon ich hier rede.

Vor rund 10 Jahren hatte ich einen solchen Burn out, schaffte es nur noch äußerst mühsam Philip zu versorgen. Meine damalige Frau schickte mich in den Urlaub für ein paar Tage und der bewirkte tatsächlich Wunder. Als ich dann wieder Philip sah, konnte ich ihn zu erstenmal wieder seinen Eigengeruch wahrnehmen und ich habe wieder viel Kraft gewonnen, voll für ihn da zu sein. Aber das liegt, wie ich sagte, schon gut 10 Jahre zurück.

Das ist eigentlich nicht Ihr Thema, aber es gehört -direkt- dazu. Zur "Rückführung in das Leben" braucht der Patient jemand, der 100%ig für ihn da ist und ich kann mit guten Gewissen sagen, dass ich das bin. Aber diese Kräfte zu bewahren ist schwierig, wenn man hauptsächlich alleine die gesamte Pflege Tag wie Nacht übernimmt.

Generell müssen Sie wissen, dass Ihre Vorschläge für eine ganze Reihe von Patienten im Wachkoma tatsächlich gute Ideen und Möglichkeiten beinhalten. Allerdings - und das werden Sie immer mehr feststellen, je mehr Sie sich in diese Materie vertiefen, gibt es erstaunlich große Unterschiede im Zustandsbild Wachkoma, je nach Patient. Das was dem einem hilfreich ist, schadet womöglich dem anderen. Es ist selten etwas "übertragbar" was einem geholfen hat. Abgesehen von der Liebe und Wärme die man den Patienten spüren läßt. Das Spektrum des Wachkomas ist erheblich größer, als man denken sollte.

Herr Frank ihr anfangs eingehendes Mail, früher Ingenieur und nun Lebensberater, klingt auch nach einem schweren Schnitt. Das Leben nimmt schon ab und an abenteuerliche Wendungen, nicht wahr?

Vielen Dank dass ich Ihr Mail veröffentlichen darf, auf Philips Webseite Lebensleuchten,de, ich finde dort ist sie gut aufgehoben - Danke!

Aber nun zur Beantwortung Ihrer Fragen im einzelnen:

Sie schreiben;

01) Wenn wir uns aus der Sicht der ganzheitlichen Betrachtung noch einmal den 11. Sept. in Erinnerung rufen, hat Philip beim Eintauchen ins Wasser einen Schock erlitten, d.h. das Gehirn wurde abgeschaltet, bis auf die Funktion der Organe. Der Gesichtsausdruck des Kindes zeigt genau dies an. Das ist eine absolute Blockade, dazu kam Angst und die hat ihn in diesem Zustand festgehalten. Weitere Traumas entstanden durch die Elektroschocks die folgten und medikamentöse Behandlungen, aber auch durch, sagen wir, der teilweisen unglücklichen Besetzung des Pflegepersonals.

Also, dass Philip einen Schock beim Unfall erlitten hat, ist unbestritten. Was Philips Gesichtsausdruck betrifft, ist das eine Folge jahrelangen Komas. Der Kopf wird bedingt durch dem häufigen liegen, eher oval. Zumal der Kopf eines jungen Kindes noch ziemlich "dehnbar" ist - und im liegen schlägt die Schwerkraft bedingungslos zu.

Dazu kamen eine jahrelange Tortur mit Krämpfen und Spastiken, also eine ziemlich arge und lange "Leidtour" unter der er mitunter noch heute leidet. Ob das sichtbare Spuren hinterlassen hat, ist eventuell zu befürchten.

Außerdem ist zu betonen, dass Philip zusätzlich zu dem Koma einen Schlaganfall erlitten hat, das heißt, dass seine rechte Körperhälfte komplett gelähmt ist. Damit haben wir hier zum Beispiel öfters den sichtbaren Fall, dass ein Auge offen, während das andere geschlossen ist.

Das der primäre Unfallschock den "Gesichtsausdruck" hervorgerufen hat, glaube ich weniger. Auf den früheren Bilder kurz nach dem Unfall vom Philip, war sein Gesichtsausdruck noch fast normal. Die viele Jahre, die er in diesem Zustand verweilt, führen dazu ...

Mit den Elektroschocks meinen Sie sicher die Wiederbelebungsmaßnahmen nach dem Unfall. Jedoch hat er meines Wissens nach, nie Elektroschocks erhalten. Er wurde mit einer Herzdruckmassage ins Leben zurück geholt.

Was die Besetzung des Pflegepersonals betrifft, haben Sie natürlich recht, die ist in der Regel immer unzureichend. Wobei ich die Erfahrung gemacht habe, das nicht immer die Menge an Pflegepersonal entscheidend ist, sondern die Qualität der Pflege. Damit ist auch das "Herz" bei der Pflege gemeint, die Liebe und Fürsorge für den Patienten da zu sein, Dinge zu erkennen und den Willen zu helfen …

Sie können sich denken, dass das viel zu selten zu finden ist, aber es gibt sie noch diese seltenen "Perlen" der Menschheit ... man kann sie nicht genug schätzen!

Sie schreiben;

02) Der Geistliche, den Sie im Hilfe gebeten haben, hat gezeigt, welche Kraft in der göttlichen Heilenergie vorhanden ist. Ich habe mich beim Lesen dieser Zeile gewundert, weshalb Sie diese Fähigkeiten sich nicht selbst angeeignet haben.

Philip hat eine sehr christliche Mutter. Ich bin heute der festen Überzeugung, dass sie damals durch Ihren unerschütterlichen Glauben an Gott, Philip gerettet hat. Sie konnte dadurch Kräfte entwickeln, die ich schlicht und einfach nicht mehr hatte und konnte somit "Lebensenergie" an Philip weitergeben, die er so dringend brauchte. Ich war damals zu schwach und geradezu gebrochen. Eine schlimme Zeit damals. Aber ich wurde Zeuge, was der Glaube an einem Gott zu bewirken vermag! Mein Glaube an Gott ist an sich verschieden von den seiner Mutter. Wir leben nicht mehr zusammen. Im Jahre 2004 haben sich unsere Wege getrennt, weil unsere Defizite zu groß wurden und andere Umstände eintraten.

Wenn Sie Fähigkeiten ansprechen, so kann ich Ihnen versichern, das jeder Handgriff den ich für meinen Sohn tue, ihn mit ungebrochener Liebe zu ihm tue. Meine Ex - Frau sagt dazu, dass ich das nur aus der Kraft Gottes heraus tun könne … ich lasse das mal so stehen, wenn auch ich mit dieser Aussage durchaus nicht immer 100% ig einverstanden bin.

Zwischen Philip und mir besteht eine Sprache ohne Worte, so eine Art nonverbaler Kommunikation. Ich sehe ihn und weiß sehr oft was ihn fehlt, ich kann gewissermaßen aus ihm heraus lesen … das sind durchaus Fähigkeiten, die über die Jahre hinaus gewachsen sind.

Sie schreiben;

03) Ich bin der Ansicht, dass für Philip eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität möglich ist, wenn er aus diesen Traumata heraus geführt wird. Wer könnte das besser als Sie selbst?

Wissen Sie, wir haben das jahrelang versucht ihn ins Leben, so gut es ging, zurück zu führen. Es wurde dazu eine Menge unternommen. Praktisch sowie im Gebet. Irgendwann haben wir akzeptiert, dass es so ist wie es ist. Das zu akzeptieren war sicher nicht leicht, das kann ich Ihnen sagen.

Was die Lebensqualität betrifft, die lässt sich steigern, nur ist das nicht ganz so einfach. Philips Lebensqualität hängt letztendlich an einer Person, an mir! Meine Zeit und auch meine Kraft ist endlich.

In den ersten Jahren habe ich Philip sechs mal am Tag eigenhändig mit Krankengymnastik versorgt, dazu kam dann noch die reguläre Physiotherapeutin nebenher. Irgendwann, spätestens nach ein paar Jahren, sind Sie an einem Punkt, wo Sie schlicht und einfach nicht mehr können und spüren, wie Ihre Kräfte schwinden. Die zur Pflege notwendige Energie wird kleiner, weil der Erfolg beständig ausbleibt. Man schafft es einfach nicht mehr, mit erwartungsvoller Motivation an die Sache ran zu gehen. Diese unglückliche Erfahrung macht - jeder - der alleine einen schwerstpflegebedürftigen Pflegefall zu Hause hat, soweit meine Erfahrung.

Hätte Philip nach all' den jahrelangen Bemühungen auch nur den aller kleinsten Erfolg gezeigt, nur einen Finger einen Zentimeter gekrümmt … so wäre das ein "Kraftquell" und ein "Motivationsschub" gewesen und wir hätten alles daran gesetzt, ihn weiteren positiven Input zu geben. Das aller Kleinste hätte uns dazu genügt, Herr Frank. Da genügt es einem dann auch nicht mehr, wenn die behandelnden Physio und Ergotherapeuten aufmunternd sagen, ohne Therapie wäre alles noch viel schlimmer. Das genügt nicht, um den leeren Hoffnungsspeicher zu füllen … da wollen wir anderes sehen!

Natürlich könnten Sie nun einwenden, das wir die Signale übersehen haben, vielleicht im Alltag völlig untergegangen sind. Oder, das wir zu unsensibel waren um überhaupt die Signale von Philip zu verstehen oder wahrzunehmen ...etc.

Sie müssen wissen, ich rede hier vom eigenen Kind, den eigenen Sohn und ich kann Ihnen zu 100% mit reinem Gewissen zu sichern, dass wir im Bezug auf Philips Zustand und Wahrnehmung absolut aufmerksam waren. Ich halte es geradezu für ausgeschlossen, dass wir da etwas versäumt hätten.

Nun nehmen wir ihn an und wahr wie er ist … Es geht gar nicht mehr so sehr darum, ihn ins "normale Leben" zurück zu führen. Er lebt "sein" eigenes spezielles Leben. Er hat seine Bedürfnisse und er äußert das auf seine eigene Art und Weise. Das tut er meiner Meinung nach weniger bewusst, als ihn sein Körper das diktiert.

Wenn er zum Beispiel vom Rollstuhl in sein Bett möchte, weil angenommen seine Windel nass ist, dann beißt ihn das, tut womöglich weh, oder ist zumindest unangenehm für ihn. Das spürt er, darauf reagiert er mit Unbehagen. Darüber denkt er nicht nach, sondern unterliegt der Reizleitung seines Körpers. Ich kann ihm das geradezu an seinem Gesicht ablesen und erkenne seine Unleidlichkeit. So ergeht es ihm auch mit anderen Dingen.

Meiner Meinung nach, die natürlich nicht stimmen muss, aber nach jahrelanger intensiver Pflege sich etabliert hat ist die, dass Philip ganz grob unterscheidet, zwischen dem, was ihm gut - und dem, was ihm nicht gut tut. Das ist sein sehr einfaches und grobes Lebensraster.

Ich denke nicht, dass Philip selbst darum kämpft, zurück ins "eigentliche" Leben zu treten. Das reale "eigentliche" Leben sind für ihn vergessene Fragmente einer Wirklichkeit die sich ihm genauso verschließt - wie andersrum uns seine Welt verschlossen ist. Er kennt es nicht mehr anders. Ich denke gar, er vermisst sie noch nicht einmal.

Philip lebt in seinem "Universum" und er ist dort in seinem kleinen Rahmen glücklich, wenn ihn mal etwas nicht stört und er einfach nur "sein" kann, ohne Leid und Schmerzen.

Die Frage, die Sie sich stellen, Herr Frank, ob sich Philip aus seinem Universum lösen läßt und zurückkehren kann, in die "reale Welt" - halte ich für nicht machbar. Wenn es diesen Weg gäbe, dann hätte ich bzw. wir das längst gemacht, aber bis man erkennt, dass es eben "keinen Weg" gibt … vergingen ein paar Jahre. Ich mag diese Formulierung nicht, "Es gibt keinen Weg" … irgendwo denke ich noch immer, es gibt - immer - einen Weg …. aber dieser Weg, liegt nicht mehr in meiner Hand.

Sie schreiben;

04) Philip kann die Augen bewegen und auch Fokussieren - er kann also visuelle Signale empfangen. Das letzte was Philip mit klaren Verstand zur Kenntnis genommen hat, ist die Wasseroberfläche des Teiches und sein Spiegelbild das er dort entdeckt hat. Deshalb ist Wasser (in seinem Verständnis) für ihn eine Gefahrenquelle uns versetzt ihn in Panik. Um ihm diese Angst zu nehmen, sollte er etwas sehen (aus der Zeit des Unfalls), was ihm Vertrauen einflösst. Das kann ein Schnuller sein, ein Teddy zu dem er einen starken Bezug hatte o.ä. Bitte zeigen Sie es ihm - jeden Tag.

Ja, Philip kann die Augen bewegen, allerdings meiner Meinung nach weniger wirklich bewußt. Philip kann zwischen hell und dunkel unterscheiden, wobei er Helligkeit eher "mag" als Dunkelheit. Philip sieht nicht scharf und speziell auf ein Objekt fokussieren, kann er auch nicht wirklich. Es scheint ab und an so, aber dann wieder doch eher nein …

Die Bilder die er sieht, werden vom Gehirn nicht korrekt "verarbeitet". Er erkennt mich zum Beispiel nicht wenn ich vor ihm stehe und er mich ansieht, er erkennt mich eher daran, wie ich ihn "berühre" sofern man überhaupt von einem "Erkennen" reden kann.

Visuelle Signale kann er empfangen das ist sicher, aber was sein Gehirn daraus für ihn macht, ist eine unergründliche Frage.

Das was Sie sagten mit dem was er als letztes sah, lasse ich jetzt mal so stehen, es schmerzt mich daran zu denken.

Aber was Wasser betrifft, da muss ich Ihnen deutlich widersprechen. Das Ganze ist schon etwas seltsam, aber als Philip vor dem Unfall als gesunder Junge baden sollte, hat er sich aus Leibeskräften dagegen gewehrt. Er wollte niemals baden! - Nach dem Unfall war zu unser allem Erstaunen das Gegenteil der Fall! - Das warme Wasser entspannte ihn und tat ihm sichtbar gut. Keine Spur von Angst zu erkennen! Das ist bis heute so. Wenn Philip halbwegs entspannt ist und man bereitet ihn ein warmes Bad, ist das eins seiner schönsten Momente.

Philip hat tatsächlich noch eine Reihe von Kuscheltieren um sich herum. Ich mag ihn das nicht nehmen.

Sie schreiben;

05) Da er sehen kann sind Bilder sehr wichtig. Seine Schwester war eine starke Bezugsperson für ihn. Was sie gemacht hat war gut. Vielleicht gibt es noch alte Bilder die sie gemalt hat, auch die sollte er sehen. Ebenfalls Fotografien aus jener Zeit. Vielleicht können sie die Fotos vergrößern und als Mobile einige davon bei Philip in Sichtweite aufhängen? Wichtig ist die Verbindung vor dem Unfall, damit er weiß die Welt ist gut und er kann in den guten Teil der Welt zurück kehren und muss nicht in dem schmerzvollen Teil verharren.

Grundsätzlich äußern Sie da eine wirklich gute Idee, allerdings haben wir das Problem, dass er nur unzureichend fixieren kann. Der Sehnerv ist beschädigt, das Gehirn ist beschädigt. Wer weiß was ankommt und wie es ankommt? Das die Welt "gut" ist, erfährt er durch die Liebe die andere ihm geben … und davon hat man nie genug. Damit man ihm signalisieren kann, dass die "reale Welt" gut ist, muss man aus ihm lesen können um entsprechend handeln zu können.

Sie schreiben;

06) Als nächsten sollten Sie versuchen in den Philip hinein zu schauen (oder ihre Ehefrau). Wie fühlt er sich an? Ist sein Körper entspannt? Gibt es Stellen am Körper, wo er eine Wahrnehmung hat? Wie fühlt sich sein Herz an? Arbeitet es ruhig und gleichmäßig? Macht es eher einen unruhigen Eindruck? Sind Muskeln angespannt und wenn ja, welche? Wechseln die Anspannungen der Muskeln? Wie arbeitet die Lunge? Gleichmäßig? ruhig? Stoßartig? eingedrückt? Ziel sollte es sein, in jeden Augenblick, den Zustand von Philip zu erkennen. Denn es gibt Momente wo er durchaus auch über die anderen Sinne aufnahmefähig ist. Sie können sich das vorstellen wie eine elektrische Leitung, die eine Bruchstelle hat, aber einige Adern sich noch ab und zu berühren.

Sie können sich darauf verlassen, dass meine Hauptbeschäftigung des Tages darauf beruht, in Philip hinein zu schauen. Es diktiert geradezu den Tag und das ist nicht immer erfreulich. Wie Sie vielleicht gelesen haben, ist Philip ein hochspastisches Kind (bzw. junger Mann), dazu ist er seit Jahren abhängig vom Bezodiazepamine, dementsprechend ist er öfters und manchmal sogar arg angespannt, was hier immer wieder zu einem großen Problem heran reicht. Das Benziodiazepam läßt sich ohne weiteres nicht entziehen, es beinhaltet ein größeres Entzugspotential als Heroin. Es gab dazu einige Versuche meinerseits, - allerdings alle ohne Erfolg.

Normalerweise um ihn da zu "reseten" müßte man ihn 4 bis 6 Wochen in Narkose legen und darin einen Entzug durchführen. Aber das verbietet sich von selbst, alleine schon wegen seinen geschädigten Lungen. Versuche andere Medikamente zu erhöhen um das Benziomedikament zu erniedrigen, scheiterten bisher genauso … Zur Zeit bekommt er es regelmäßig, damit er überhaupt "steuerbar" bleibt. Ohne dem würde er sich in Krämpfen winden und sein Kreislauf würde das nicht lange akzeptieren. Hier ist der Punkt erreicht, wo es um Lebensqualität geht, wenn es nicht "ohne" geht, dann gesteuert mit! Ich mag keinen leidenen Philip um mich herum haben.

Sie schreiben;

07) Wie ich sehe, kann er einen Finger ein bisschen bewegen. Bitte streicheln Sie dazu die Handwurzel der linken Hand. Sehr schwach zwar, aber es geht. Damit und über die Augen könnte eine bescheidene Kommunikation aufgebaut werden - ein wichtiges Erfolgserlebnis - gleichzusetzen mit dem Klopfzeichen bei Eingeschlossenen: ich nehme wahr!

Ich stelle seit dem ersten Tag den Kontakt mit Philip her, indem ich seine Hand nehme, das ist bis heute so. Alleine darüber kann ich grob feststellen, wie es ihm geht, oder gar was ihm fehlt. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, dass ihm dass "gut" tut. Ich vermittele ihm das Gefühl, dass er nicht alleine ist, das ich "da" bin. Bereit zu helfen, sollte es notwendig sein. Ist schon was dran mit den "Klopfzeichen" ...

Sie schreiben;

08) Welche Träume haben Ihre Frau oder Sie in Bezug zu Philips Situation? Sie erhalten über die Träume immer wieder Hinweise, welche Ihnen aber nicht bewusst sind.

Meine Ex - Frau hat bis heute die Vision das Philip gesund wird. Diese Vision habe ich leider nicht in mir. Es ist für mich auch nicht mehr Priorität das Philip wieder "normal" wird. In mir habe ich diesen Punkt abgeschlossen. Für mich ist es wichtig, dass es Philip in seinem Zustand so gut wie möglich geht, darin besteht meine Aufgabe. Sein Leben lebenswert zu machen, ich sage Ihnen Herr Frank, dass ist eine wirklich große Aufgabe. Ich träume ganz selten vom Philip. Es gab schon Träume wo ich ihn "lebendiger" sah … nicht immer war das erwachen einfach, aus solchen Träumen.