Thema und Reaktion - Seite 5

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Michaela am 23. Dezember 2004

Das Mail von der Michaela erreichte mich am 23.12.2004 – Herzlichen Dank, das ich es veröffentlichen durfte.

Hallo Philip und Familie,

ich bin durch Zufall auf Eure Seite gestoßen, ich habe zwar noch nicht alles gelesen, aber dass, was ich bis jetzt gelesen habe, teilt im Großen und Ganzen die Erfahrungen, die ich auch mit meinem Sohn gemacht habe.

Mein Sohn heißt Florian und liegt nun bald 7 Jahre im Wachkoma. Im Januar 1998 ist er beim Spielen im Gartenteich ertrunken, konnte aber wieder belebt werden. Wir haben auch viele Höhen und Tiefen in diesen 7 Jahren durchlebt, doch seit etwa 2 Jahren ist sein Gesundheitszustand sehr stabil. Aber an die vielen gesundheitlichen Problem kann ich mich noch zu gut erinnern.

Vor etwa 5 Jahren habe ich dann beschlossen, mich nach anderen Heilmethoden für Florian umzuschauen. Seit dieser Zeit lasse ich Florian, und mittlerweile auch seine Brüder, nun fast ausschließlich Homöopathisch behandeln. Sogar die Medikamente, die er wegen der sich eingestellten Epilepsie nehmen musste, habe ich auf eigene Verantwortung, aber mit Absprache der jetzt behandelnden Homöopathin abgesetzt. Seit etwa 2 Jahren geht es Florian nun so gut, dass ich Anfang dieses Jahres beschlossen habe, ihn zur Körperbehinderten Schule zu schicken. Die ersten Wochen / Monate bin ich mit ihm dort gewesen, aber seit Anfang dieses Schuljahres hat nun eine Zusatzkraft für Florian die Betreuung dort in der Schule übernommen. Seit dieser Zeit habe ich schon das Gefühl, dass es Florian auch richtig gut tut, ein eigenes Leben ohne Mama kennen zu lernen. Und ich bin auch jedes Mal ganz gerührt, wenn ich sehe, wie liebevoll und selbstverständlich er dort in der Klasse aufgenommen wurde.

Trotz allem wird Florian noch so lange, wie es mir möglich ist, weiter zu Hause wohnen bleiben. Nicht zu letzt würden seine beiden Brüder ihn auch sehr vermissen. Für sie gehört Florian ganz selbstverständlich dazu.

Heute sind Fabian 10 1/2,, Florian 8 1/2 und Filipp 6 1/2 Jahre alt.

Viele Grüße , ein frohes Weihnachtsfest und viel Kraft für das neue Jahr

Wünscht Florians Mama Michaela

P.S. Wer Fragen dazu hat, kann Kontakt zu Michaela aufnehmen unter m.prelle@teleos-web.de .

Ina am 13. Juni 2004

Liebe Ina, auch Dir ganz lieben Dank, für dieses Mail vom 13. Juni 2004 was ich hier veröffentlichen durfte. Dankeschön für diesen Beitrag!

Hallo!

Mein Name ist Ina, und ich verfolge euer Schicksal seit der Fliege Sendung. Selten schreibe ich spontane Mails, an Menschen, die ich nicht kenne. Aber nach dem letzten Beitrag war es mir ein Bedürfnis.

Kurz zu meiner Person:

Ich bin 27, und kann eure Situation einigermaßen nachvollziehen, da mein Bruder vor 14 Jahren bei einem Autounfall Schädel-Hirn-Verletzungen erlitt. Damals gab es auch die Diagnose Wachkoma. Er hat sich aber soweit erholt, dass er heute in einer betreuten Wohngruppe lebt. Er sitzt im Rollstuhl, sein Kurzzeitgedächtnis ist gestört, es ist auch keine richtige Kommunikation im allgemeinen möglich. Grundsätzlich kann er sich aber verständigen.

Mein Bruder wurde zeitweise in unserer Familie gepflegt, daher denke ich, eure Situation einigermaßen nachvollziehen zu können. (Wenn auch unser Pflegeaufwand wahrscheinlich nur annährend halb so intensiv war, wie der von Mark-Philip.)

Meinen absoluten Respekt, für die Leistung, die ihr tagtäglich vollbringt!

Als meine Mutter 1995 an Multipler Sklerose erkrankte, und ihre Krankheitsbild einen recht schnellen Verlauf bekam, war eine häusliche Pflege nicht mehr möglich. Meine Mutter sitzt jetzt selbst fest im Rollstuhl (Pflegestufe II) und wird von meinem Vater, der Frührentner ist, betreut, bzw. gepflegt.

Soviel zu meiner, bzw. unserer Situation.

Ich habe die Fliege Sendung mit Interesse verfolgt, obwohl ich eigentlich kein Fan davon bin. Auch dieses mal wurde ich keiner. Euere Situation war für meinen Geschmack zu kurz angesprochen, und die unkonkrete Aussage von Herrn Fliege am Ende Eures Beitrags machte mich ehrlich gesagt wütend. Herr Simon wurde als Helfer/Heiler bei sehr schwerwiegenden Krankheiten/Verletzungen dargestellt, ohne nähere Informationen und Fakten. (Wie schwer waren die Verletzungen des Bekannten von Herrn Fliege? Welche Art von Verletzungen lagen vor? Wie lange lag die Person in welcher Art von Koma?, usw.)

Ich hoffe, ihr habt mehr Info s bekommen die Eure Entscheidung, ob ihr Herrn Simons Hilfe in Anspruch nehmen werdet oder nicht, leichter machen.

Ich möchte Herrn Simon nicht abstreiten, dass er heilerische Fähigkeiten besitzt oder nicht. Ich kenne ihn nicht, und habe niemals vorher von ihm gehört oder gelesen. Ich finde es nur grundsätzlich schwierig solche Aussagen vor einer breiten Öffentlichkeit zu treffen, ohne nähere Informationen. Aber darauf wollte ich eigentlich nicht hinaus.

Als es meiner Mutter Ende der 90er immer schlechter ging, überlegte ich, für eine Fürbittezeremonie bei einem Nordamerikanischen Schamanen zu sorgen. Ein Arbeitskollege von mir hatte Kontakt zu einer Gruppe, die Schwitzhütten abhalten, und ganze Wochenenden in Tippis verbringen. Ich glaube an Schamanismus. Allerdings nicht grenzenlos. Ich fuhr damals zu dieser Gruppe um den Schamanen (ein echter Indianer, ich weiß allerdings nicht mehr von welchem Stamm) kennenzulernen. Bernd (mein Kollege) hatte mich und den Grund meines Besuches angekündigt. Es gab auch ein Reglement. So durfte ich den Schamanen nicht von mir aus ansprechen, sondern ich musste warten, bis er zu mir kam und mich ansprach. Anyway, ich habe niemals vorher oder danach einen Menschen mit einer solchen Ausstrahlung erlebt. Es ist schwierig zu beschreiben, sein Anwesenheit war spürbar, sie ging durch und durch. Er bot mir an, er würde eine Schwitzhütte für mich abhalten. Es sei möglich für einen Angehörigen Fürbitte zu leisten. (Meine Mutter glaubt an so etwas überhaupt nicht) Ich sollte es mir überlegen.

Ich habe damals lange überlegt. Wie gesagt, ich glaube nach wie vor an Schamanismus. Ich glaube auch, daß eine Heilung, auf einem solchen Weg etwas mit Glauben an sich zu tun hat. An welchen Gott man glaubt, ist dabei egal. Für mich geht es an den Glauben an die Sache als solche.

Ich entschied mich damals dagegen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen, da ich nicht 100% überzeugt war. Mein Bauch sagt mir, dass Schamanismus Grenzen hat. Die lagen bei mir damals bei dieser komplizierten, nach westlicher Medizin, unheilbaren Krankheit. Ob diese Entscheidung bzw. dieser Gedanke, richtig war oder ist, wird mir niemand beantworten können. Vielleicht war meine Entscheidung damals ein Fehler, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich heute wieder so handeln würde.

Dass ich das Angebot ablehnte, wurde übrigens akzeptiert. Niemand versuchte mich zu überzeugen, es doch zu probieren. Der Entschluss es nicht zu versuchen, wurde bedauert, mehr nicht. Einige Zeit später bin ich durch Brasilien und Paraguay gereist. (Ein Teil meiner Familie lebt dort) Ich reiste mit meiner Herzkranken Tante (Friedel) zu deren Schwester (Ruth). Tante Ruth (über 70) ist bis heute gesund und fit. Ihr Hausarzt ist ein indianischer Medizinmann. Sie bot damals Tante Friedel an, sich von ihm bzgl. Ihrer Herzprobleme behandeln zu lassen. Friedel wollte davon nichts hören. Sie glaubte nicht, dass Wässerchen und Kräuter ihr helfen könnten und schwor auf ihre Medikamente. Nach ein paar Tagen hatte Ruth sie dann doch überredet. Sie setzte also ihre Medikamente ab, und nahm die Tees und Kräuter des Medizinmannes mit viel Argwohn ein. Ihr ging es an diesem Nachmittag sehr schlecht. Gegen Abend griff sie dann wieder zu ihren alten Medikamenten. Sofort ging es ihr besser.

Für mich war das ein weiteres Beispiel, dass eine solche Behandlung etwas mit Glauben zu tun hat. Sie war von vorneherein überzeugt dass es nicht hilft, also ging es ihr schlecht.

Sorry, dass die Mail jetzt so lang geworden ist, es war nicht so geplant.

Was ich euch mitteilen wollte, ist, wenn ihr wirklich glaubt, dass Herr Simon helfen kann, probiert es aus. Ihr habt nichts zu verlieren. Ich weiß nicht, ob man 100% überzeugt sein sollte (so wie ich es damals von mir verlangte). Diese Entscheidung muß jeder einzelne für sich selbst treffen. Ich wurde später von Freunden gefragt, warum ich nicht zu dem Schamanen gegangen sei. 70 oder 80% Überzeugung hätten doch auch genügt. Aber meine Entscheidung war und bleibt so. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch, dass ihr nicht bei dem Fürbitten dabei sein dürft, bzw. die Handlungen erklärt bekommt. Vielleicht versucht ihr ein wenig aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Wenn ihr ein gutes Gefühl dabei habt, warum nicht? Ich wünsche Euch auf alle Fälle alles nur erdenklich Gute und viel Kraft für die Zukunft!

Liebe Grüße INA

PS: bzgl. Der Fälle, die Herr Fliege ansprach: Wieso versucht ihr nicht mal mit seinem Bekannten von dem er in der Sendung sprach in Kontakt zu treten? Und vielleicht die Fragen zu stellen, die ich am Anfang meiner Mail stellte?

Ich persönlich warte auch immer noch darauf, die Frau aus dem Westerwald kennen zu lernen, die angeblich durch Schamanismus von ihrer MS geheilt wurde. Angeblich gibt es sie. Viele haben von ihr gehört, aber keiner kann mir sagen wer sie ist. Würde ich sie jemals treffen, ich würde meine Mutter in ein Flugzeug nach Afrika setzen, um dort eben diesen Schamanen aufzusuchen, der besagte Frau geheilt hat.

Andreas W. Kleist am 11. Juni 2004

liebe familie börner,

heute morgen habe ich den bericht über das schicksal ihres sohnes in der f.a.z gelesen. ich bin selber vater zweier kinder (5 und 7 jahre) die sich bester gesundheit erfreuen. das dieser zustand nicht unbedingt zur normalität gehören muß, erfährt man spätestens nach ihrem bericht.man macht sich täglich über soviel mist gedanken, daß ein gesundes kind schon völlig normal ist. auch ich bin häufig genervt wenn es zu hause mal wieder drunter und drüber geht.lächerlich! wirklich lächerlich. meine schwägerin ist geistig behindert (31 jahre). vielleicht bin ich deshalb auch ein wenig empfänglicher für solch ein thema, aber: es ist meine schwägerin, die ich nur alle zwei wochen mal sehe. stelle ich mir diese situation auf mich bezogen vor, will sagen mein eigenes kind wäre betroffen, mein leben wäre ein anderes. lieber herr börner, ich möchte jetzt hier keinen großen roman verfassen, aber es war mir einfach nur wichtig ihnen weiterhin mut auszusprechen und ich bewundere ihr angagement. ihr sohn kann glücklich sein solche eltern zu haben. ich fürchte das nicht viele menschen diesen einsatz hätten.es grüßt sie ganz herzlich aus dem taunus andreas w. kleist (36 jahre) PS: nochmals vielen dank für den bericht. es hilft solchen „normaleltern“ wie mir, mal wieder über den sinn und unsinn des lebens nachzudenken.

Jochen Börner dazu

Wissen Sie Herr Kleist, … manchmal ist es wirklich so, dass man mit seinen Aufgaben wächst. Ich hätte es mir vor dem schrecklichen Unfall mit meinem Sohn Philip niemals vorstellen können, mit so einer komplizierten und vor allem – an die Substanz gehenden Situation – fertig zu werden. Doch halt, man wird auch nicht fertig mit einer solchen Situation, – sondern man lernt im laufe vieler Jahre damit umzugehen, weil das außergewöhnliche zur Normalität wird. Über die Kleinigkeiten des Lebens, wie die offen gelassene Zahnpastatube, oder die nur halb zugeschraubte Limonade, etc .. rege ich mich genauso auf, wie es andere auch tun. Aber das Schicksal von Philip eignet sich dazu – in Dankbarkeit, auf die Gesundheit unserer Kinder zu schauen und so wie Sie es gemacht haben, es sich vor Augen geführt haben, dass das ein Geschenk ist. Ein Geschenk, den man in der Regel viel zu wenig Beachtung schenkt.

Liebe Grüße und Dankeschön für das Mail vom 11.06.2004 – Jochen Börner